Bevor wir Buon Ma Thuot verließen, hielten wir noch bei diesem Kriegsdenkmal der Nordvietnamesen, wo uns Mr. Long allerlei Details über den Vietnamkrieg erzählte.
ZB dies: Im Dezember 1973, als die Amerikaner Vietnam bereits verlassen hatten, hat der Vietcong (die kommunistischen Nordvietnamesen) das Gerücht verbreitet, dass sie eine weit entfernte Stadt angreifen würden. Die Südvietnamesen fielen darauf hinein und verlegten den Großteil ihrer Truppen dorthin. Also hatten die Vietcongs ein leichtes Spiel, Buon Ma Thuot einzunehmen.
Mit 250 km hatten wir dann von Buon Ma Thuot bis Kon Tum zwar die längste Strecke vor uns, konnten aber doch einiges über Land und Leute erfahren. Die erste Station war wieder eine Manufaktur:
Der Inhaber dieser schlichten Hütte ist einerseits Kaffeebauer, aber da man Kaffee nur einmal pro Jahr ernten kann, hat er noch ein Standbein: Pilzzucht!
Dieser Haufen ist das Grundmaterial: Sägespäne des Gummibaums!
Die Sägespäne werden in diesem Ofen sterilisiert ...
... in kleine Kunststoffbeutel gepackt und mit Hefe gespickt, wie im Bild zu sehen.
Dann schneidet man in jeden Sack etliche ca. 4 cm lange Ritzen, injeziert Kalk, um den ph-Wert zu senken und hängt sie in die Halle.
Nach rd. einer Woche wächsen aus jeder dieser Ritzen die Pilze heraus!
Dieses Kleinunternehmen, wie auch die anderen, die wir schon besucht haben, sind übrigens Privatunternehmen. Vietnam nennt sich zwar "kommunistisch", ist aber de facto eine Marktwirtschaft mit einem Einparteiensystem.
Ein Andenken an gefallene Vietcong-Soldaten an der "French Road", die Hanoi mit dem Süden verbindet. Lange Zeit glaubten die Amerikaner, dass diese Straße ein Teil des legendären Ho-Chi-Minh Pfads sei, die Hauptnachschublinie der Nordvietnamesen in den Süden. Das war allerdings ein Irrtum, der vielen Soldaten auf beiden Seiten das Leben kosten sollte - mehr dazu etwas weiter unten.
Die rechte Fahne ist die des heutigen Vietnams, die hatten wir noch nicht im Blog und hier flattert sie so schön :-)
Während uns Mr. Long die Kriegsdetails erzählte, spielten Severin, ein lokaler Bursch und unser Fahrer, Mr. Oanh eine Art Fuß-Federball, ein Volkssport in Kambodscha und in Vietnam.
Asiatisch-europäische Völkerverständigung ;-)
Die Landschaft im Hochland (500 bis 1500 m hoch) ist unserer nicht so unähnlich, nur viel dichter und urwaldmäßig. Vor dem Krieg war die ganze Gegend ein hoher und dichter Dschungel, doch das Entlaubungsmittel "Agent Orange" hat alles vernichtet, was früher da war.
Ein paar Kilometer weiter machten wir bei einer Pflanzung Halt ... was ist das wohl, was auf diesen Sträuchern wächst?
Es ist ...
|
|
|
Pfeffer!
Wiederum nur ein paar Kilometer weiter hatte Mr. Long die nächste Besichtigung für uns auf Lager. Diesmal verraten wir es gleich: Es ist eine Kautschukplantage.
Ausnahmsweise ist das ein staatlicher Betrieb. Die Kautschukbäume können sieben Jahre nach ihrer Pflanzung täglich zwei Mal geerntet werden, und das fünfzig Jahre lang.
Der Kunststoffstreifen oberhalb des tröpfelndes Kautschuks hält Regen- und Tauwasser ab.
Täglich um 7 Uhr und um 13 Uhr starten die Arbeiter den Sammelrundgang und machen dabei ziemliche Kilometer :-) die von uns besuchte Anlage ist 6 Hektar groß und insgesamt gibt es dort vierzehn Plantagen!
Kautschuk der Qualitätsstufe I, wird im Tankwagen nach Saigon geführt und verkauft. Die Hauptprodukte, die damit erzeugt werden, sind Autoreifen und Latexmatratzen.
Ein Schnappschuss von unterwegs - beachtet den Burschen mit dem Hündchen in der Butte ... ;-)
Dieses Tal heisst "Todestal", weil es der Ort war, an dem die Amerikaner bereits 1961 zum ersten Mal das hochgiftige Entlaubungsmittel Agent Orange versprüht hatten.
Das ist der "Dragon Hill", den die Amerikaner unbedingt einnehmen wollten, weil sie meinten, dass die Straße daneben zum Ho-Chi-Minh Pfad gehörte. Dem war nicht so, trotzdem umkämpften sie ihn, was 280.000 Soldaten das Leben kostete. Damals war dort auf jedem Quadratmeter Boden eine Landmine, heute schätzt man das Verhältnis auf eine verbliebene Mine pro drei Quadratmeter.
Als wir am Tagesziel in der Stadt Kon Tum ankamen, besuchten wir als Erstes die "Hölzerne Kirche" - am passenden Datum, denn der 21.11. ist der erste Jahrestag des Todes von Kristinas Vater Ferdl ...
Später am Abend im Hotel lüpften wir ein Stamperl eines Schnapses, den Ferdl kurz vor seinem Tod gebrannt hatte - Kris hatte eine Kostprobe im Handgepäck.
Die letzte Besichtigungsstation diesen vollen Tages war eines der beiden Waisenhäuser in Kon Tum. Es wurde von einer Nonne in Eigenregie gegründet und beherbergte ursprünlich nur fünf Kinder. Heute sind es über 50.
Danach checkten wir im Hotel in Kon Tum ein, wieder ein tadelloses Haus. Mr. Long versprach uns zum Abendessen eine lokale Spezialität, nämlich Pfannkuchen!
Das Lokal ist direkt an der Straße und sieht "very basic" aus.
Die Pfannkuchen, die man mit Salat und Schweinefleich in Reispapier wickelt, nennen sich (phonetisch wiedergegeben :-) "Ban Seo" und schmeckten köstlich!
Letzte Kommentare